Thüringer Medienbrei

Die Medienlandschaft verändert sich. Starken Tendenzen der Kommerzialisierung, Monopolisierung und Boulevardisierung bei privaten wie öffentlich-rechtlichen Medien stehen vor allem im Bereich der Neuen Medien aber auch in Teilen der gedruckten Medien emanzipatorische Chancen gegenüber. "ThüringenLinks" wird in Zukunft in der neuen Rubrik "Medienbrei" regelmäßig besonders groteske, einseitige oder verzerrende Auswüchse des Mediensystems mit Thüringenbezug vorstellen und kommentieren. Auf die Zusendung weiterer Beispiele – sei es aus Printmedien, Radio, TV oder Internet – freut sich die Redaktion.

 
26. August 2014 Medienbrei/Politik

"Tief in die Schatulle des reißerischen Journalismus gegriffen" - Leserbrief von Renate Bastian an die TA

Herr Schauka, da haben Sie mit ihren Texten über die Vita von Bodo Ramelow aber tief in die Schatulle des reißerischen Journalismus gegriffen, sehr zum Schaden Ihrer eigenen Reputation. Ihr Stil der Berichterstattung ist in weiten Teilen unseriös.  Mehr...

 
20. August 2014 Medienbrei/Politik

"Erstmals in der kurzen Geschichte des vereinten Nachkriegsdeutschlands die Möglichkeit, dass in Thüringen ein Linker Ministerpräsident werden kann" - Leserbrief von Klaus-Dieter Böhm an die TA

Sehr geehrter Herr Raue! Mit Verwunderung und enormem Vergnügen habe ich den Artikel über die angebliche Mitgliedschaft von Bodo Ramelow in der DKP gelesen. Welch ein Trauma muss den Chefredakteur der TA bis heute über die Marburger Zeit verfolgen. Welch ungeheurer Informationsvorsprung, über Uli Stang, Metzgersohn und Abgeordneter im Marburger Stadtparlament etwas zu lesen. Ja, Prof. Wolfgang Abendroth, ein Vorbild für viele - soll er nachträglich zum Agenten gestempelt werden? („er bekam Besuch…“). Die siebziger Jahre, der Kampf gegen den „Muff unter den Talaren von 1000 Jahren". Das KPD-Verbot, die Wiederzulassung einer kommunistischen Partei in Deutschland, die Weihnachtsbombardements der amerikanischen Luftwaffe über Vietnam, Demonstrationen im Westen Deutschlands mit den Symbolen Ho-Chi-Minh, Che Guevara, Karl Marx, Friedrich Engels und so weiter und so fort. Die Berufsverbote, herbeigeführt durch Willi Brandt, das erste in Bremen, welches Professor Holzer (1971) traf, dann Zehntausende von Berufsverbotsverfahren und „ Berufsverbotsopfer“. Wahrscheinlich gibt es mehr Berufsverbotsbetroffene und „Berufsverbotsopfer“ als in der ehemaligen DDR Stasi-Opfer dieses Rechtsaktes. Nur gibt es keine Jahn-, Gauck- oder Birthlerbehörde, bei der man die Akten über die Bespitzelung der letzten Jahrzehnte nachlesen und die Ungerechtigkeiten nachweisen kann. Herr Bundespräsident, übernehmen Sie! Heute sagt Willi Brandts Sohn im „Spiegel“, dass sein Vater die Politik der Berufsverbote bedauerte und als Fehler gesehen hat. Die Grundlagen für die Berufsverbote wirken bis heute nach und können jederzeit wieder Anwendung finden, indem man bezweifelt, dass jemand „jederzeit für die freiheitlich demokratische Grundordnung eintritt“. (FDGO) Mehr...

 
16. Dezember 2013 Medienbrei/Politik

Journalistisches Armutszeugnis: Die Thüringer Allgemeine und der angebliche Gehalts-Spitzenreiter Thüringer

Man mochte sich am Morgen des 16. Dezember die Augen reiben. Über ihren Twitter-Account meldete die Thüringer Allgemeine: „Nach langer Durststrecke: Gehälter in #Thüringen im Osten Spitze“. Wie bitte? Mehr...

 
20. September 2013 Medienbrei/Politik

Fast liebevolles Porträt

Kurz vor der Bundestagswahl haben zwei Medien in Thüringen im Umgang mit der Neonazi-Partei NPD versagt. Rassistische Propaganda wird im Gewand des "netten Nazis von nebenan" und mit der Ausrede der "umfassenden Berichterstattung" präsentiert.  Mehr...

 

Medienbrei (2): Kampagne oder Journalismus?

"Warum die Gesellschaft bessere Journalisten braucht" - Ausriss aus dem Buch "Das neue Handbuch des Journalismus" (2003) von Wolf Schneider & Paul-Josef Raue, dem heutigen Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen"

Über die Frage, "warum die Gesellschaft bessere Journalisten braucht" schrieb 2003 Paul-Josef Raue, der heutige Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen" (TA), in dem von ihm gemeinsam mit Wolf Schneider publizierten Buch "Das neue Handbuch des Journalismus". Heute publiziert sein Blatt nun offenbar das Ergebnis der Suche Raues nach "besseren Journalisten": Eine Themenseite, die mit der Schlagzeile „Das Prinzip Beleidigung und Schmähung“ aufmacht. Darin wir der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, als Mensch hingestellt, der öffentliche Kritik an seiner Arbeit und Person nicht zulasse und die Meinungs- und Pressefreiheit abschaffen wolle. Knut Korschewsky, der Vorsitzende der Partei DIE LINKE Thüringen, kritisiert in einer Stellungnahme die heutigen Berichte der TA als Höhepunkt einer Kampagne des Blattes gegen Ramelow. "Wer soll hier eigentlich getroffen werden?", fragt Korschewsky. Lesen Sie hier das ganze Statement...

Medienbrei (1): Eine Umfrage, Worte zur Mauer und der „Abwehr“-Mann

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Beliebte Politiker: Selektive Wiedergabe von Umfrageergebnissen

Im Auftrag der „Osterländer Volkszeitung“ (OVZ) befragte das Leipziger Institut für Marktforschung Anfang August etwa 2.000 Erwachsene in Thüringen zur „Sonntagsfrage“ – also zu ihrem Wahlverhalten, wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre – und zu ihrer Zufriedenheit mit ausgewählten Politikern aus dem Freistaat. Während die auftraggebende OVZ, die in Thüringen nur im Raum Altenburg erscheint, ihren Bericht unter die Überschrift „Bestnoten für Ministerpräsidentin und Oppositionschef“ stellte, geriet die Deutung der Umfrageergebnisse in anderen Thüringer Medien ein Stück durchwachsener.

Die Nachrichtenagentur dpa hatte gemeldet, dass Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) zur beliebtesten Politikerin gekürt worden sei, gefolgt von Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU), knapp gefolgt „von Oppositionschef Bodo Ramelow (Linke)“, der sich „noch vor Vize-Ministerpräsident und SPD-Chef Christoph Matschie“ platzierte.

Das erfuhren indes nicht alle Zeitungsleser in Thüringen. Bei der „Bild-Zeitung“ titelte man „Zustimmung für Thüringer Regierung nimmt zu“. Im Text hieß es dann, die beliebteste Politikerin sei Lieberknecht. „Auf Platz zwei folgt Birgit Diezel mit 22 Prozent.“ Schluss. Die eigentliche Sensation, dass mit Bodo Ramelow ein Oppositionspolitiker nahezu gleichauf mit Diezel auf Platz 3 lag und damit alle (!) Regierungsmitglieder der CDU/SPD-Koalition außer der Ministerpräsidentin hinter sich gelassen hatte, unterschlug das Blatt kühn.

Bei der „Thüringer Allgemeinen“ (TA) lautete der Titel „Bestätigung für Schwarz-Rot“, immerhin druckte man hier eine Tabelle mit den Umfragewerten der Politiker und kommentierte unter der Überschrift „Regierung des Mittelmaßes“. Einer einfachen Rechnung entsagte die Redaktion aber offenbar (ebenso die des „Freien Wortes“, das sich für die Überschrift „Schwarz-Rot legt in der Wählergunst zu“ entschied): zwar wäre laut Umfrage das Wahlergebnis der CDU/SPD-Koalition gegenüber 2009 von 49,7 auf 53 Prozent gestiegen, das der möglichen Alternative aus DIE LINKE, SPD und Grünen aber ebenfalls – von 52,1 auf 56 Prozent (Quelle: www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Nach-Wahlumfrage-Bestaetigung-fuer-Schwarz-Rot-1689794021).


„Kein Wort“? DIE LINKE und der Mauerbau

Unter dem effektheischenden Titel „Der Mauerbau entzweit die Linke“ hat der TA-Politikredakteur Kai Mudra in einem Artikel u.a. formuliert: „Auffällig in der aktuellen Debatte der Linken ist, dass in den offiziellen Partei-Dokumenten wie der „Erklärung der Historischen Kommission der Partei Die Linke“ vom Juni kein Wort über die vielen Toten an der Mauer oder der innerdeutschen Grenze verloren wird. Ebenso fehlen eindeutige Worte des Bedauern [sic!], der Anteilnahme und der Trauer.“

Gemeint ist die Erklärung der genannten Kommission „Zum 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer“ vom 14.06.2011. Schaut man sich aber diese Erklärung an, stößt man auf folgenden Passus: „Die Mauer als „antifaschistischen Schutzwall“ zu rechtfertigen, war ein Missbrauch des wichtigsten demokratischen Legitimationsgutes der DDR. Die Mauer und die Grenzbefestigungsanlagen haben in den folgenden dreißig Jahren fast einhundertfünfzig Menschen das Leben gekostet, Tausende bei Fluchtversuchen ins Gefängnis gebracht, Millionen Menschen das Recht auf Reisefreiheit genommen und zahllose Familien getrennt.“ Verwiesen wird in der Erklärung auch auf eine klare Aussage des Parteivorstandes der PDS aus dem Jahre 2001: „Kein Ideal und kein höherer Zweck kann das mit der Mauer verbundene Unrecht, die systematische Einschränkung der Freizügigkeit und die Gefahr für Freiheit sowie an Leib und Leben, beim Versuch das Land dennoch verlassen zu wollen, politisch rechtfertigen.“

„Kein Wort“ also? Doch. Mudra berichtete demnach falsch. Obwohl ein Leser auf der TA-Internetseite einen Kommentar einstellte und aus der Erklärung der Historischen Kommission der Linkspartei zitierte, hat man dort die Falschdarstellung nicht berichtigt, sie findet sich bis heute (24.08.2011) wie festgemauert in der Internetpräsentation der Zeitung. Veröffentlicht man dort aber bewusst Falsches, dann handelt es sich doch nicht um ein Versehen, sondern um Vorsatz? Dass Mudra zum neu gebildeten „TA-Rechercheteam“ gehört, macht die Sache nicht besser – im Gegenteil. In einem TA-Bericht „In eigener Sache“ war die neue Truppe vor kurzem eifrig beworben worden. In einem Vorbereitungsworkshop habe sie sich unter Anleitung aus der Zentrale der WAZ-Gruppe mit den „besten und effektivsten Recherche-Methoden“ vertraut gemacht. Kulturelle Grundkompetenzen wie das einfache Lesen von Texten scheint aus Sicht solcher Recherche-Profis dabei wohl keine Rolle zu spielen (Quellen: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Der-Mauerbau-entzweit-die-Linke-1956786990 / http://www.die-linke.de/partei/weiterestrukturen/berufenegremien/historischekommission/erklaerungenundstellungnahmen/zum50jahrestagdesbausderberlinermauer/?PHPSESSID=fbbb8ac4f79d2847fe9c34d1787cfaff / http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/In-eigener-Sache-Die-TA-baut-ein-Recherche-Team-auf-1868176463 ).

 

Schmähungen vom „Abwehr“-Mann: Ein merkwürdiger „Leserbrief“ in der TA

Noch einmal die TA: Die veröffentlichte den „Leserbrief“ eines Joachim Schlaack aus Erfurt vom 30.06.2011. Schlaack arbeitet sich dort ausgiebig an dem Fraktionsvorsitzenden der LINKEN im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, ab. Nun ist Kritik an Politikern natürlich legitim, dabei darf es durchaus auch etwas rauer zugehen. Neben wirrem Unsinn – Ramelow sei womöglich vom „Verfassungsschutz“ in DIE LINKE „eingeschleust“ worden – enthält dieser Leserbrief aber auch Schmähungen und Beleidigungen. Zu den harmloseren Entgleisungen gehört der Vorwurf, der Vorsitzende der Linksfraktion betreibe „objektiv Zersetzungstätigkeit“ in seiner Partei – so behauptet es jedenfalls ein Herr Schlaack, nach eigener Darstellung mit „Berufserfahrung in der DDR-Abwehr“.

Der Presserat hat in seinem Kodex deutlich gemacht, dass auch bei Leserbriefen die „Publizistischen Grundsätze“ gelten. Dass Schlaacks Ergüsse diesen Grundsätzen entsprechen, darf getrost bezweifelt werden. Sein „Leserbrief“ ist dennoch bis heute (24.08.2011) in der Internetpräsentation der TA eingestellt, die ihm damit ein weltweit zugängliches Podium bietet. Die Reaktion von Bodo Ramelow, formuliert in einem Leserbrief, veröffentlichte die TA bisher übrigens nicht. Ramelow hat inzwischen Beschwerde beim Presserat eingelegt (Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Leserbrief-Joachim-Schlaack-ueber-den-Antisemitismusstreit-in-der-Linken-1602874104). (sw)