Die Medienlandschaft verändert sich. Starken Tendenzen der Kommerzialisierung, Monopolisierung und Boulevardisierung bei privaten wie öffentlich-rechtlichen Medien stehen vor allem im Bereich der Neuen Medien aber auch in Teilen der gedruckten Medien emanzipatorische Chancen gegenüber. "ThüringenLinks" wird in Zukunft in der neuen Rubrik "Medienbrei" regelmäßig besonders groteske, einseitige oder verzerrende Auswüchse des Mediensystems mit Thüringenbezug vorstellen und kommentieren. Auf die Zusendung weiterer Beispiele – sei es aus Printmedien, Radio, TV oder Internet – freut sich die Redaktion.
Als die Stimmen gegen Gauck „explodierten“ Eine Internetumfrage des MDR am 20. Februar sorgt für erhebliche Aufregung und Verärgerung. Gefragt worden war: "Ist Joachim Gauck der Richtige für das Amt des Bundespräsidenten?“. Doch die als Stimmungsbild im Internet gedachte Umfrage verschwand plötzlich aus dem Online-Angebot des Senders – wegen einer technischen Manipulation des Votings, wie der MDR einen Tag später behauptete. Nur deshalb habe sich die MDR-Online-Redaktion am Montagabend entschieden, die Umfrage zu beenden und sie gleich von der Seite zu nehmen. Auslöser hierfür soll eine „offensichtliche technische Manipulation“ (so der MDR) gewesen sein, durch die das Abstimmungsergebnis innerhalb von Minuten drastisch verändert wurde. Mehr...
Paul-Josef Raue, Chefredakteur der „Thüringer Allgemeinen“, hält sich für die letzte Instanz. Da veröffentlicht eine regionale Tageszeitung am 30. Juni 2011 einen als „Leserbrief“ bezeichneten, mit Beleidigungen gespickten Schmähbrief gegen einen Politiker, den Oppositionsführer im Thüringer Landtag. Er enthält Anwürfe wie „religiöser Spinner“ und „ideologisch-politische Flachzange“, das Handeln des Mannes sei „objektiv Zersetzungstätigkeit und parteischädigendes Verhalten“ Mehr...
Die Medienlandschaft verändert sich. Starken Tendenzen der Kommerzialisierung, Monopolisierung und Boulevardisierung bei privaten wie öffentlich-rechtlichen Medien stehen vor allem im Bereich der Neuen Medien aber auch in Teilen der gedruckten Medien emanzipatorische Chancen gegenüber. "ThüringenLinks" wird in Zukunft in der neuen Rubrik "Medienbrei" regelmäßig besonders groteske, einseitige oder verzerrende Auswüchse des Mediensystems mit Thüringenbezug vorstellen und kommentieren. Wir starten mit einem Beitrag von Stefan Wogawa über "Eine Umfrage, Worte zur Mauer und der „Abwehr“-Mann". Mehr...
Vor einigen Tagen sorgte eine Studie der Technischen Universität Ilmenau für Aufsehen, in der es um die Facebook-Nutzung Thüringer PolitkerInnen ging. „Facebook-Euphorie verflogen“ war der Text überschrieben. Eines der präsentierten Ergebnisse lautete, dass nur ein Vertreter der Linksfraktion im Thüringer Landtag Facebook nutze. Das sorgte für einige Nachfragen, vor allem bei den zwölf linken Abgeordneten, die in dem wohl wichtigsten „Sozialen Netzwerk“ präsent sind. Die Ursache für die unterschiedliche Zählung ist leicht erklärbar: Bei der Betrachtung der Facebook-Profile wurden in der Studie aus Ilmenau nur „offizielle“ Facebook-Seiten berücksichtigt, die von Nutzern zu ihren "Interessen" hinzugefügt werden können. Klassische "private" Profile, bei denen Nutzer von den jeweiligen Politikern als "Freund" angenommen werden müssen, fanden dagegen keine Beachtung. Der für die Untersuchung verantwortliche Professor begründete diese Vorgehensweise auf Nachfrage mit der Unterscheidung zwischen „dienstlich“ und „privat“, die respektiert werden sollte. Einerseits nachvollziehbar. Doch wirft dieses Vorgehen aber auch die viel weitergehende Frage auf, wo bei PolitikerInnen die Grenze zwischen dienstlich und privat gezogen werden kann. Während das bei Angelausflügen noch ziemlich einfach zu klären ist, fällt es bei Meinungsäußerungen schon schwerer. Kann ein Politiker privat seine Meinung zu einem politischen Thema äußern? Eher nicht. Die sogenannten „Statusmeldungen“ bei Facebook sind aber häufig kurze Meinungsäußerungen. Insofern ist Facebook für die Politik ein nahezu perfektes Medium. Denn nicht nur die eigene Sicht kann allen Interessierten mitgeteilt werden, sondern durch die Antwort-Funktionen erhält der Politiker ein Feedback – so schnell und direkt, wie sonst nur im persönlichen Gespräch. Die Unterscheidung zwischen dienstlich und privat taugt daher nicht. Was inhaltliche Positionierungen angeht, ist das Private immer auch politisch. Mehr...

Über die Frage, "warum die Gesellschaft bessere Journalisten braucht" schrieb 2003 Paul-Josef Raue, der heutige Chefredakteur der "Thüringer Allgemeinen" (TA), in dem von ihm gemeinsam mit Wolf Schneider publizierten Buch "Das neue Handbuch des Journalismus". Heute publiziert sein Blatt nun offenbar das Ergebnis der Suche Raues nach "besseren Journalisten": Eine Themenseite, die mit der Schlagzeile „Das Prinzip Beleidigung und Schmähung“ aufmacht. Darin wir der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, als Mensch hingestellt, der öffentliche Kritik an seiner Arbeit und Person nicht zulasse und die Meinungs- und Pressefreiheit abschaffen wolle. Knut Korschewsky, der Vorsitzende der Partei DIE LINKE Thüringen, kritisiert in einer Stellungnahme die heutigen Berichte der TA als Höhepunkt einer Kampagne des Blattes gegen Ramelow. "Wer soll hier eigentlich getroffen werden?", fragt Korschewsky. Lesen Sie hier das ganze Statement...

Beliebte Politiker: Selektive Wiedergabe von Umfrageergebnissen
Im Auftrag der „Osterländer Volkszeitung“ (OVZ) befragte das Leipziger Institut für Marktforschung Anfang August etwa 2.000 Erwachsene in Thüringen zur „Sonntagsfrage“ – also zu ihrem Wahlverhalten, wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre – und zu ihrer Zufriedenheit mit ausgewählten Politikern aus dem Freistaat. Während die auftraggebende OVZ, die in Thüringen nur im Raum Altenburg erscheint, ihren Bericht unter die Überschrift „Bestnoten für Ministerpräsidentin und Oppositionschef“ stellte, geriet die Deutung der Umfrageergebnisse in anderen Thüringer Medien ein Stück durchwachsener.
Die Nachrichtenagentur dpa hatte gemeldet, dass Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) zur beliebtesten Politikerin gekürt worden sei, gefolgt von Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU), knapp gefolgt „von Oppositionschef Bodo Ramelow (Linke)“, der sich „noch vor Vize-Ministerpräsident und SPD-Chef Christoph Matschie“ platzierte.
Das erfuhren indes nicht alle Zeitungsleser in Thüringen. Bei der „Bild-Zeitung“ titelte man „Zustimmung für Thüringer Regierung nimmt zu“. Im Text hieß es dann, die beliebteste Politikerin sei Lieberknecht. „Auf Platz zwei folgt Birgit Diezel mit 22 Prozent.“ Schluss. Die eigentliche Sensation, dass mit Bodo Ramelow ein Oppositionspolitiker nahezu gleichauf mit Diezel auf Platz 3 lag und damit alle (!) Regierungsmitglieder der CDU/SPD-Koalition außer der Ministerpräsidentin hinter sich gelassen hatte, unterschlug das Blatt kühn.
Bei der „Thüringer Allgemeinen“ (TA) lautete der Titel „Bestätigung für Schwarz-Rot“, immerhin druckte man hier eine Tabelle mit den Umfragewerten der Politiker und kommentierte unter der Überschrift „Regierung des Mittelmaßes“. Einer einfachen Rechnung entsagte die Redaktion aber offenbar (ebenso die des „Freien Wortes“, das sich für die Überschrift „Schwarz-Rot legt in der Wählergunst zu“ entschied): zwar wäre laut Umfrage das Wahlergebnis der CDU/SPD-Koalition gegenüber 2009 von 49,7 auf 53 Prozent gestiegen, das der möglichen Alternative aus DIE LINKE, SPD und Grünen aber ebenfalls – von 52,1 auf 56 Prozent (Quelle: www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Nach-Wahlumfrage-Bestaetigung-fuer-Schwarz-Rot-1689794021).
„Kein Wort“? DIE LINKE und der Mauerbau
Unter dem effektheischenden Titel „Der Mauerbau entzweit die Linke“ hat der TA-Politikredakteur Kai Mudra in einem Artikel u.a. formuliert: „Auffällig in der aktuellen Debatte der Linken ist, dass in den offiziellen Partei-Dokumenten wie der „Erklärung der Historischen Kommission der Partei Die Linke“ vom Juni kein Wort über die vielen Toten an der Mauer oder der innerdeutschen Grenze verloren wird. Ebenso fehlen eindeutige Worte des Bedauern [sic!], der Anteilnahme und der Trauer.“
Gemeint ist die Erklärung der genannten Kommission „Zum 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer“ vom 14.06.2011. Schaut man sich aber diese Erklärung an, stößt man auf folgenden Passus: „Die Mauer als „antifaschistischen Schutzwall“ zu rechtfertigen, war ein Missbrauch des wichtigsten demokratischen Legitimationsgutes der DDR. Die Mauer und die Grenzbefestigungsanlagen haben in den folgenden dreißig Jahren fast einhundertfünfzig Menschen das Leben gekostet, Tausende bei Fluchtversuchen ins Gefängnis gebracht, Millionen Menschen das Recht auf Reisefreiheit genommen und zahllose Familien getrennt.“ Verwiesen wird in der Erklärung auch auf eine klare Aussage des Parteivorstandes der PDS aus dem Jahre 2001: „Kein Ideal und kein höherer Zweck kann das mit der Mauer verbundene Unrecht, die systematische Einschränkung der Freizügigkeit und die Gefahr für Freiheit sowie an Leib und Leben, beim Versuch das Land dennoch verlassen zu wollen, politisch rechtfertigen.“
„Kein Wort“ also? Doch. Mudra berichtete demnach falsch. Obwohl ein Leser auf der TA-Internetseite einen Kommentar einstellte und aus der Erklärung der Historischen Kommission der Linkspartei zitierte, hat man dort die Falschdarstellung nicht berichtigt, sie findet sich bis heute (24.08.2011) wie festgemauert in der Internetpräsentation der Zeitung. Veröffentlicht man dort aber bewusst Falsches, dann handelt es sich doch nicht um ein Versehen, sondern um Vorsatz? Dass Mudra zum neu gebildeten „TA-Rechercheteam“ gehört, macht die Sache nicht besser – im Gegenteil. In einem TA-Bericht „In eigener Sache“ war die neue Truppe vor kurzem eifrig beworben worden. In einem Vorbereitungsworkshop habe sie sich unter Anleitung aus der Zentrale der WAZ-Gruppe mit den „besten und effektivsten Recherche-Methoden“ vertraut gemacht. Kulturelle Grundkompetenzen wie das einfache Lesen von Texten scheint aus Sicht solcher Recherche-Profis dabei wohl keine Rolle zu spielen (Quellen: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Der-Mauerbau-entzweit-die-Linke-1956786990 / http://www.die-linke.de/partei/weiterestrukturen/berufenegremien/historischekommission/erklaerungenundstellungnahmen/zum50jahrestagdesbausderberlinermauer/?PHPSESSID=fbbb8ac4f79d2847fe9c34d1787cfaff / http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/In-eigener-Sache-Die-TA-baut-ein-Recherche-Team-auf-1868176463 ).
Schmähungen vom „Abwehr“-Mann: Ein merkwürdiger „Leserbrief“ in der TA
Noch einmal die TA: Die veröffentlichte den „Leserbrief“ eines Joachim Schlaack aus Erfurt vom 30.06.2011. Schlaack arbeitet sich dort ausgiebig an dem Fraktionsvorsitzenden der LINKEN im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, ab. Nun ist Kritik an Politikern natürlich legitim, dabei darf es durchaus auch etwas rauer zugehen. Neben wirrem Unsinn – Ramelow sei womöglich vom „Verfassungsschutz“ in DIE LINKE „eingeschleust“ worden – enthält dieser Leserbrief aber auch Schmähungen und Beleidigungen. Zu den harmloseren Entgleisungen gehört der Vorwurf, der Vorsitzende der Linksfraktion betreibe „objektiv Zersetzungstätigkeit“ in seiner Partei – so behauptet es jedenfalls ein Herr Schlaack, nach eigener Darstellung mit „Berufserfahrung in der DDR-Abwehr“.
Der Presserat hat in seinem Kodex deutlich gemacht, dass auch bei Leserbriefen die „Publizistischen Grundsätze“ gelten. Dass Schlaacks Ergüsse diesen Grundsätzen entsprechen, darf getrost bezweifelt werden. Sein „Leserbrief“ ist dennoch bis heute (24.08.2011) in der Internetpräsentation der TA eingestellt, die ihm damit ein weltweit zugängliches Podium bietet. Die Reaktion von Bodo Ramelow, formuliert in einem Leserbrief, veröffentlichte die TA bisher übrigens nicht. Ramelow hat inzwischen Beschwerde beim Presserat eingelegt (Quelle: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Leserbrief-Joachim-Schlaack-ueber-den-Antisemitismusstreit-in-der-Linken-1602874104). (sw)