26. August 2014

"Tief in die Schatulle des reißerischen Journalismus gegriffen" - Leserbrief von Renate Bastian an die TA

Guten Tag Herr Raue, guten Tag Herr Schauka,
 
zu Ihrer Berichterstattung über Bodo Ramelow möchte ich Korrekturen anbringen, die dringend geboten sind. Ich kann nur einige Dinge anmerken, weil ich befürchte, dass Sie meinen Leserbrief sonst nicht veröffentlichen. In anderen Beiträgen ist ja auch schon einiges gesagt.
Als Gesprächspartnerin von Herrn Schauka in Marburg erwarte ich eine Veröffentlichung.
 
Mit freundlichen Grüßen

Herr Schauka, da haben Sie mit ihren Texten über die Vita von Bodo Ramelow aber tief in die Schatulle des reißerischen Journalismus gegriffen, sehr zum Schaden Ihrer eigenen Reputation. Ihr Stil der Berichterstattung ist in weiten Teilen unseriös. Beispiel: In Ihrem ersten Text schreiben Sie, „eine stattliche Anzahl“ von Professoren an der Marburger Universität seien Kommunisten gewesen. Schlecht recherchiert. Ihr Chefradakteur hätte Ihnen sagen können, dass es unter Hunderten von Professoren ein einziger war. Ihr Chefredakteur hätte Ihnen auch sagen können, dass Marburg nicht „rot“  war, dass nicht  68er die „Straße beherrscht“ haben –wie japanische Touristen. Marburg war eine konservativ geprägte Stadt, in der es zum Glück eine lebendige Diskussionskultur gab und gibt.
Ihr weiterer Text ist noch ärgerlicher, weil er noch mehr Unrichtigkeiten enthält.
•    Was Herbert Bastian anbelangt: Er hatte keine“ behaglichen Jahrzehnte“ und auch keine „nette Pension“ als Beamter in Aussicht, sondern einen gesundheitlich zermürbenden Wechselschichtdient. Zehn Jahre  kämpfte er gegen ein Berufsverbot wegen seiner politischen Anschauungen.
•    Sie schreiben von der verfassungsfeindlichen DKP. Sie müssten wissen, dass es diesen Begriff nur als politische Diffamierung gab.
•    Ich war nie in der GEW und auch nicht in der HBV. Schlecht recherchiert.
•    „Nahezu alle“ seien in einer Gewerkschaft gewesen. Was für ein Unsinn, bei den vielen Berufen. Zudem noch ein „Block, der immer einheitlich handelte“. Hätten Sie sich da mal lieber nicht auf das schiefe Auge des Verfassungsschutzes verlassen. Schlecht recherchiert, Herr Schauka.
•    In Marburg und auch nicht in Gießen sind Gewerkschafter „geschult“ worden.
•    Robert Sabo war nie „Stadtrat“. Diesen Titel gibt es zudem in Hessen nicht. Schlecht recherchiert.
•    Und dann bitte ich mir doch aus: Die HBV war nie „im Griff der DKP“ Wo haben Sie denn diesen Unsinn her?
Herr Schauka, nach meinem Eindruck versuchen Sie Bodo Ramelow zu schaden, in dem Sie da ein Gebräu anrichten, das nach der antikommunistischen Suppenküche des vergangenen Jahrhunderts riecht. Längst ranzig geworden. Hätten Sie sich doch einmal mit ihm selbst besprochen, wie andere Journalisten auch.
Und ein kleiner Rat am Rande, wenn Sie das Ganze als E-Book herausgeben wollen, bemühen Sie sich noch mal. Sie sprechen zu viel vom Hören-Sagen. Tun Sie das in Ihrem eigenen Interesse.
Renate Bastian, Marburg

Abdruck des Leserbriefs an die Thüringer Allgemeine mit freundlicher Genehmigung von Renate Bastian.