12. Mai 2015

Sollen (Kommunal-)Politiker die Sozialen Netzwerke nutzen?

Die Sozialen Netzwerke (oder Social Media) gewinnen innerhalb des sich rapide wandelnden Mediensystems auch für die politische Kommunikation immer stärker an Bedeutung (allein Facebook hat 28 Millionen Nutzer in Deutschland). Wahlkämpfe werden zunehmend im Web geführt und möglicherweise bald dort entschieden. Inzwischen nutzen 92 Prozent der Bundestagsabgeordneten Facebook und mehr als 50 Prozent den Kurznachrichtendienst Twitter. Doch auch die Risiken sind nicht zu unterschätzen.
In seinem Sachbuch „Facebook, Twitter  Co. Soziale Netzwerke – eine Einführung (nicht nur) für Kommunalpolitiker“ widmet sich Stefan Wogawa nicht nur der Frage, ob (Kommunal-)Politiker überhaupt in diesen Netzwerken aktiv werden sollen. Er stellt die wichtigsten Netzwerke vor, erläutert, welche Kommunikationstypen für Politiker relevant sind (Unterscheidungskriterium ist hier das Verhältnis zwischen sachlichen und persönlichen Elementen in den mitgeteilten Inhalten), benennt Grundregeln (Transparenz, Authentizität, Kontinuität, Ehrlichkeit), macht Vorschläge für den Umgang mit Kritik, warnt vor schlechter Praxis und gibt in einem Exkurs Hinweise zur Daten- und Computersicherheit.
Grundlage des Buches sind Seminare, die Stefan Wogawa, seinerzeit Onlineredakteur, für Wahlkreismitarbeiter/-innen der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag durchgeführt hatte. Er illustriert seine Darstellung mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis, viele davon mit Thüringen-Bezug. Gerade die Darstellung von schlechter Praxis (sie reicht vom unprofessionellen Agieren über Polit-Autismus und Sexismus bis zur Pöbelei) wartet mit handfesten Schnitzern auf, die es zu vermeiden gilt. Dabei kommt das Buch nicht staubtrocken daher, sondern durchaus mit einem Augenzwinkern. Das wird schon am einleitenden Zitat deutlich, das von der Zeichentrickfigur Homer Simpson stammt: „Das Internet? Gibt’s den Blödsinn immer noch?“
Erschienen ist das Buch im THK Verlag, herausgegeben wird es vom Kommunalpolitischen Forum Thüringen e.V. (Kopofor). Es ist aber, wie der Untertitel sagt, nicht nur für Kommunalpolitiker gedacht. Und die Frage, ob Politiker die Netzwerke nun nutzen sollen? „Im Prinzip gibt es darauf zwei Antworten“, schreibt Wogawa. Die sind: Ja, denn die Netzwerke multiplizieren eigene Stellungnahmen und machen sie einem großen Kreis von Interessenten zugänglich, sowie Nein, denn die notwendige Authentizität in den Sozialen Netzwerken erfordert Zeit, Aufwand und persönliche Exponierung. A.R.

Stefan Wogawa: Facebook, Twitter & Co. Soziale Netzwerke – eine Einführung (nicht nur) für Kommunalpolitiker, 72 Seiten, THK Verlag, ISBN 97839450680038, 5,90 Euro