21. November 2017

Zu viele Krankenhäuser in Deutschland?

Beim Treffen der LINKEN Ostthüringer KommunalpolitikerInnen (LOK) stand auch ein Besuch des Eisenberger Krankenhaus auf dem Plan.

 

Von Doreen Amberg 

 

Man stelle sich das vor: Der Geschäftsführer des Rudolf Elle Krankenhauses Eisenberg David-Ruben Thies äußert sich besorgt, dass es zu viele Krankenhäuser in Deutschland gibt und fordert ein Umdenken in der Gesundheitspolitik. Das erlebten die TeilnehmerInnen beim Treffen der LINKEN Ostthüringer KommunalpolitikerInnen (LOK) in Eisenberg. Thies erklärte, immer am Vergleich zu Dänemark und den Niederlanden, dass sich Deutschland eine doppelte Facharztstruktur leiste. In allen europäischen Ländern, außer in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sind Fachärzte keine niedergelassenen Ärzte, sondern haben eine Praxis in einem Krankenhaus. Zum Facharzt kommt der Patient nur über den Hausarzt. In Dänemark und in den Niederlanden haben Krankenhäuser die Aufgabe der Krankenhausvermeidung. Etwa 20 Prozent der Kosten für das Gesundheitssystem werden in den präventiven Bereich gesteckt. Häusliche Betreuung wird in Dänemark als kommunale Aufgabe angesehen, die 100 Prozent durch den Staat finanziert wird. In die Krankenkasse wird pro Kopf ein pauschaler Betrag eingezahlt, der für alle gleich ist, egal ob Kind oder Rentner, ob Gering- oder Höchstverdiener. Diese Vergleiche zu Dänemark und den Niederlanden verblüfften die TeilnehmerInnen des LOK. 

Fasziniert zeigten sie sich bei der Präsentation zweier Modellkranken-hauszimmer für das gerade im Neubau befindliche neue Bettenhaus des Waldklinikums Eisenberg. Durch ausgeklügelte Lösungen, viel Innovationsgeist und Ausrichtung auf die Gesundung der Patienten entsteht in Eisenberg etwas in Deutschland Einzigartiges. Thies betonte: „Noch nie wurde mein Krankenhaus so unterstützt wie unter der derzeitigen Landesregierung.“ Dafür bedankte er sich ausdrücklich.


Nach der Besichtigung stellte Klaus Hübschmann (ABG) den Gesundheitsbeirat als Gestaltungsidee für die kommunale Ebene vor. Der überparteiliche Gesundheitsbeirat in Altenburg tagt alle vier Wochen. Gemeinsam wird nach Lösungen auf lokale gesundheitspolitische Fragen gesucht. So entstand ein Heft „Notfalllotse“, man setzt sich für Praxen und Niederlassungen von Ärzten ein und engagiert sich bei Modellen wie dem Gesundheitsbahnhof Gössnitz. Eine tolle Idee.


Zum Abschluss des LOK-Treffens erläuterte Markus Gleichmann (SHK) die derzeitigen Entwicklungen im Kommunalen Finanzausgleich. Er räumte auch mit dem oft von der CDU bedienten Vorwurf auf, dass die Gemeinden und Landkreise unter Rot-Rot-Grün weniger Geld erhalten würden. Im Gegenteil – sie erhalten mehr. Auch die Schlüsselmasse für Kreisaufgaben steigt an. Abschließend diskutierte das LOK, wie die 348 Millionen Euro verwendet werden könnten, die laut Steuerschätzung das Land Thüringen „übrig“ hat. Besonders wurden Investitionen in Schulen und die Instandhaltung von Straßen sowie Förderungen des Breitbandausbaus gefordert.


Das LOK vereinigt und vernetzt unter der Schirmherrschaft des Kommunalpolitischen Forums Thüringens lokale Politiker der Ostthüringer Kreise Altenburg, Gera, Greiz, SHK, SOK, SLF und Jena. Organisiert von Markus Gleichmann (SHK) und  Mike Huster (SHK) trifft sich die Gruppe vier Mal im Jahr. Das nächste Treffen soll in Altenburg stattfinden.  Die Einladungen werden über die Wahlkreisbüros sowie die Kreistags- und Stadtratsfraktionen gestreut.