5. Dezember 2017

Kunst muss zum Nachdenken anregen

Foto: Patryk Witt / Zentrum für Politische Schönheit

In seinem Bornhagener „Refugium“ sitzt der neue Führer der Rechtsextremen, Björn Höcke, und liest vermutlich Bücher über den „Deutschen Wald“.  Dabei träumt er von einer Welt, die wohl nur in den Hohlköpfen romantischer Jammerlappen aus dem 19. Jahrhundert existiert hat.


Mitten in die kleinbürgerliche Spießeridylle platzte das Künstlerkollektiv vom Zentrum für politische Schönheit (ZPS) mit ihrer dadaistischen Kunstauffassung. Jeden Tag sieht der Partei- und Fraktionschef der Thüringer AfD  nun den Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals in seinem Garten. Für einen ausgeprägten Narzissten wie Höcke ist das natürlich keine Kunst, sondern „Terrorismus“. Was der Begriff allerdings wirklich bedeutet – nämlich rechtswidrige Gewaltanwendung zur Erreichung politischer Ziele – müssen allein die Aktivisten des ZPS  erdulden, wenn Höckes bewaffnete Freunde mit Sturmhauben und gezogenen Messern die Autos ihrer Mitarbeiter attackieren und Reifen zerstechen. Polizeischutz? Den scheint es vor allem für Nazis zu geben. Landtagspräsident Carius (CDU) ruft sogar zur Solidarität mit dem ach so armen Opfer auf und vergleicht die Aktion mit den Zersetzungsmethoden der Stasi. 
„Diejenigen, die nun Höckes Privatsphäre verteidigen, wären als Demokraten glaubhaft, wenn sie sich genauso vor die Menschen stellen würden, deren Grundrechte Höcke mit seiner menschenverachtenden Ideologie beständig angreift“, twitterte der stellvertretender Landesvorsitzender der Thüringer LINKEN, Steffen Dittes. 


Einen „zivilen Verfassungsschutz“ haben die Aktiven vom ZPS gegründet und die Kunstaktion über Monate konspirativ unter Planen, unbemerkt von der Öffentlichkeit, vorbereitet. Ansonsten haben sie mit Geheimdienstmethoden aber nichts gemein.  


Das Echo auf die Aktion ist gewaltig. Aber auch von links gibt es nicht nur Zustimmung. Manchen geht es zu weit. Andere kritisieren die extra Aufmerksamkeit für Höcke. Vorwürfe, die ZPS-Leute hätten  Straftaten begangen und Höcke Privatsphäre verletzt, scheinen sich aber nicht zu erhärten.  


Wer jetzt über die Aktion schimpft sollte sich fragen: Worum geht es überhaupt in der Kunst? Darum zu gefallen, es allen recht zu machen und bourgeoise Salons mit überteuerten Werken für die Hautevolee zu füllen – wohl kaum. Kunst kann, ja muss zum Nachdenken anregen. Und genau das erreicht die Aktion auf jeden Fall. Die Auseinandersetzung mit der AfD muss geführt werden, mit allen friedlichen und demokratischen Mitteln. Nachplappern oder ignorieren dürfte kaum zielführend sein, die gezielte Provokation vielleicht schon eher. Denken sie am besten selber darüber nach. Das eigene Gehirn zu benutzen hat noch niemanden geschadet. 

 

th