24. Januar 2017

Für eine lebendige Erinnerungskultur

 

 

Deportation, Selektion, Vernichtung 

 

Die Rampe des Vernichtungslagers von Auschwitz steht wie kaum ein anderes Symbol für  den Genozid an sechs Millionen Juden. Mit deutscher Gründlichkeit deportierten die Züge Jüdinnen und Juden aus dem ganzen von den Nazis besetzen Europa in den Tod. Auf der Rampe fand die Selektion statt. Alte und Kranke wurden sofort vergast, Junge und Gesunde wurden versklavt was. Auch deren Vernichtung war längst geplant. 

Absolut nichts, kann dieses einmalige Verbrechen relativieren und schon gar nicht der Umstand, dass es in Deutschland eine Vielzahl bedeutender Dichter und Denker gab. Hitlerfaschismus, 2. Weltkrieg und Holocaust werden als ewige, unauslöschbare Schande an der deutschen Geschichte kleben bleiben.

Das Holocaustmahnmal in Berlin ist  hässlich. Es muss hässlich sein, denn es symbolisiert das hässlichste Verbrechen der Menschheitsgeschichte.  In Zeiten, in denen sich rechtes Gedankengut weltweit auf dem Vormarsch  befindet, ist die Erinnerung an dieses Verbrechen wichtiger denn je. Insbesondere, wenn immer mehr versucht wird, Geschichte umzudeuten, oder  eine „Erinnerungspolitische 180-Grad-Wende“ gefordert wird, wie es AfD-Fraktionschef Höcke bei seiner jüngsten rhetorischen Entgleisung tat.

 

 

AfD gefährlicher als NPD? 

 

 

Für Katharina König von der Thüringer Linksfraktion steht Höckes Auftritt in Dresden und seine Äußerungen über das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ und einer „dämliche Erinnerungskultur“  in der Kontinuität neurechter und extrem rechter Ideologie. „Seine öffentliche Unterstützung für die Holocaustleugnerin Haverbeck, seine Interviews in extrem rechten Zeitschriften, die Forderung nach Straffreiheit für Volksverhetzung und Nazipropaganda, aber auch seine Versuche, die Rhetorik des früheren NS-Propagandaministers in öffentlichen Auftritten zu kopieren, machen deutlich, dass die AfD unter Höcke in Thüringen inzwischen längst gefährlicher als die NPD ist. Die Thüringer Neonazi-Szene nimmt Höcke längst als legitimen parlamentarischer Vertreter wahr“, so die Sprecherin für Antifaschismus.  War es nur Zufall, dass Höcke seine Dresdner Rede einen Tag nach dem Karlsruher Urteil, die NPD nicht zu verbieten, hielt? Groß ist der Aufschrei. Anzeigen wurden gestellt. Sogar ein Parteiausschluss Höckes steht im Raum. Angesichts der Taktik der Rechtspopulisten scheint aber auch das – und Höckes Zurückrudern – reines Kalkül zu sein. Welche Konsequenzen kann es jetzt geben?

 

Höcke als Geschichtslehrer ungeeignet 

 

Der bildungspolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Torsten Wolf, fordert Höckes Entlassung als Lehrer: „Das Thüringer Schulgesetz verlangt von jedem Lehrer das Eintreten für Humanität und für die Werte des Grundgesetzes. Wer die Auseinandersetzung mit der systematischen Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung von Millionen Menschen durch die deutschen Nazis ‚mies und lächerlich‘ nennt, wer antisemitische Hetze betreibt und nationalsozialistisch argumentiert, hat zwingend die fachliche und pädagogische Befähigung verloren, im Unterricht den Vorgaben des Lehrplans gemäß Schüler zu bilden und zu erziehen, insbesondere im Fach Geschichte. Wie in Hessen schon öffentlich erörtert, muss Björn Höcke jetzt die Eignung für den öffentlichen Dienst im Bildungswesen entzogen werden.“ Was auch an politischen oder rechtlichen Konsequenzen folgen wird, klar ist, ob, AfD oder NPD, Rechtspopulisten und Rechtsextremen gilt es  konsequent entgegen zu treten. Da zu gehört unbedingt eine lebendige Erinnerungskultur.

Am 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag der UNO, ist die nächste Gelegenheit dazu. Ab 14:00 Uhr auf dem ehemaligen Appellplatz des Konzentrationslagers Buchenwald wird es eine Kranzniederlegung mit Überlebenden und Vertretern der Thüringer Landesregierung und des Landtags geben.

 

Thomas Holzmann