24. Januar 2017

Ein starkes Vorbild

Demonstration im Südosten der Türkei. Feleknas Uca stellt sich schützend vor eine Frau und diskutiert mit der Polizei. Wenig später wird sie gewaltsam von der Polizei zu Boden gedrückt.

Von Anna Schröder

 

Feleknas Uca stellt sich schützend vor eine Frau und diskutiert mit der Polizei. Wenig später wird sie gewaltsam von der Polizei zu Boden gedrückt. Diese Fotos haben im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt. Sie sind bei einer Demonstration im Südosten der Türkei aufgenommen worden. Mit anderen Kurdinnen hatte Uca friedlich gegen die willkürliche Absetzung der beiden Bürgermeister von Diyarbakır demonstrieren wollen. Bei dem gewaltsamen Übergriff der Polizei wurde Feleknas Uca verletzt, aber nicht verhaftet. Noch nicht. Wie vielen kurdischen Politikern wird auch ihr terroristische Propaganda für die verbotene Arbeiterpartei PKK vorgeworfen. Unter anderem, weil sie an einer Demonstration zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen teilgenommen hatte.

Feleknas Uca kämpft für eine friedliche Lösung der Kurdenfrage. Sie selbst ist jesidische Kurdin, in Deutschland geboren und aufgewachsen, derzeit Abgeordnete im türkischen Parlament für die Demokratische Partei der Völker HDP – eine der buntesten Parteien des Landes, zu der sich kurdische und linke Parteien, Vertreter ethnischer Minderheiten sowie Aktivistinnen aus der Gewerkschafts-, Frauen-, Homosexuellen- und Umweltbewegung zusammengeschlossen haben.  Uca war bis 2009 Abgeordnete der Linksfraktion GUE/NGL im Europaparlament. Zehn Jahre war sie dort in der Entwicklungspolitik aktiv, setzte sich für Menschenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter ein. Danach gründete sie die Feleknas-Uca-Stiftung, die sich gegen weibliche Genitalverstümmelung, häusliche Gewalt und Zwangsheirat engagiert.

Ob in Deutschland, Brüssel oder der Türkei – entschlossen und kompromisslos prangert Feleknas Uca Menschenrechtsverletzungen öffentlich an. Nach dem Motto „Nicht nur reden, sondern handeln“ nimmt sie an Demonstrationen teil, hilft Hungerstreikenden oder fährt in Krisengebiete, um die bedrohte Bevölkerung zu unterstützen. Sie begleitete Gerichtsverfahren von Menschen aus Cizre, Diyarbakır und anderen Städten, die vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die willkürlichen monatelangen Ausgangssperren klagten.

Im Dezember kam Uca nach Brüssel und nahm an der jährlichen Kurdenkonferenz im Europaparlament teil, die zum 13. Mal von der Linksfraktion GUE/NGL ausgerichtet wurde. Immer wieder ruft sie die EU auf, nicht wegzuschauen, wenn Präsident Erdoğan Krieg gegen die eigene Bevölkerung führt. Die Türkei rückt einer Diktatur deutlich näher. Auf seinem Weg zur Ein-Mann-Herrschaft geht Erdoğan skrupellos gegen Oppositionelle vor, tritt Meinungsfreiheit, Gleichstellung und Rechtsstaatlichkeit mit Füßen. Aktionen für eine pluralistische Gesellschaft sind gefährlich und erfordern viel Mut und Durchhaltevermögen – gerade von Frauen.

Die Europaabgeordneten Gabi Zimmer und Martina Michels haben die unermüdliche Menschenrechtsaktivistin für den diesjährigen Clara-Zetkin-Preis vorgeschlagen. DIE LINKE würdigt mit diesem Preis herausragende Leistungen von Frauen, die sich für eine friedliche und gerechtere Gesellschaft einsetzen. Mit der Nominierung wollen die beiden LINKEN Europaabgeordneten ein Zeichen setzen. Feleknas Uca bricht Schweigen und macht Missstände sichtbar. Mit ihrem Engagement ist sie für viele Frauen und Männer ein starkes Vorbild.