7. Februar 2017

Besser streiken als Rechten hinterher laufen

Mehr als 500 Beschäftigte beim Warnstreik am 2. Februar in Erfurt.

 

Von Uwe Pohlitz

 

Horterzieher und Grundschullehrer werden in Thüringen mit geringst möglichen Löhnen versorgt. Vielen Angestellten im öffentlichen Dienst geht es nicht anders.

Als die Horterzieher/innen noch bei den Kommunen angestellt waren, erhielten sie monatlich zwischen 70 Euro bis 140 Euro mehr als gegenwärtig. Sie wurden gekündigt und wussten lange Zeit nicht, wie es mit ihnen weiter geht. Dann gab es neue Arbeitsangebote durch die Landesverwaltungen zu teilweise schlechteren Bedingungen. Wem das nicht passte, konnte gehen. Nicht Wenige haben Thüringen den Rücken gekehrt.

Vor allem junge Lehrer erhielten lediglich befristete Arbeitsverträge, welche teilweise inmitten des Schuljahres ausliefen und nicht an den Schulen verlängert wurden. Wie sich solche personellen Veränderungen im Lernprozess der Kinder auswirken, scheint für Schreibtischstrategen nicht relevant zu sein. Auch hier blieb vielen Kollegen nur die Alternative: Abwandern in ein anderes Bundesland. Wer diesen Weg, aus welchen Gründen auch immer, nicht gehen kann, denen droht die Arbeitslosigkeit und schließlich Hartz IV mit allen bekannten regressiven Maßnahmen. 6 Prozent mehr Lohn fordern die Gewerkschafter. Das ist nicht viel bei allen ansteigenden Kosten beginnend beim öffentlichen Verkehr, den Mieten, steigenden Lebensmittelpreisen und Energiekosten. Auf Sparguthaben keine Zinsen, aber hohe Überziehungszinsen. Die Menschen fühlen sich abgezockt und wenden sich immer mehr vom demokratischen System ab. Denn gleichzeitig erkennen sie die Maßlosigkeit weniger ungerechtfertigter Einkommensmillionäre. Weil das Land Schulden zu begleichen hat, werden vor allen Dingen die Lohnabhängigen zur Kasse gebeten und sollen sogenannte liebgewordene Gewohnheiten wie die Teilnahme am kulturellen Leben einschränken, denn andere Einsparungsmöglichkeiten gibt es kaum noch.

Es ist gut, wenn die Menschen wenigstens noch als Gewerkschafter streiken oder auf die Straße gehen. Es ist allemal besser als rechten Scharfmachern hinterher zu laufen. Diese interessieren sich mit Gewissheit nicht für das Wohlergehen der Werktätigen. Sie haben andere strategische Ziele als die Befreiung von Ausbeutung und gerechte Löhne.

Solidarisch zeigten sich Politiker der Thüringer LINKEN mit den Gewerkschaften.Die MdL Rainer Kräuter und Christian Schaft nahmen persönlich an den Warnstreiks teil und hoffen, dass im Zuge der Verhandlungen viele neue Mitglieder in die organisierte Arbeitnehmervertretung eintreten – so, wie während der vorangegangenen Verhandlungen.