3. Juli 2018

„Widerstandsgeist, der noch heute zu spüren ist“

Bilder wie diese erzählen im Museum von Bischofferode vom Kampf der Kali-Kumpel.

 

Versprechen von blühenden Landschaften ad absurdum

 

Es war ein Menetekel für die Deindustrialisierung die den ganzen Osten Deutschlands nach der Einheit überrollte. Raffgierige westdeutsche Konzerne, Bonner Erfüllungspolitiker sowie die unfähige und teils korrupte Treuhand führten die kohlschen Versprechen von blühenden Landschaften ad absurdum. Ein Fall, der exemplarisch für die verbrecherischen Fehler der 90er Jahre steht, ist Bischofferode. Obwohl international konkurrenzfähiger als die Gruben des Westkonzerns K+S wurde das Kaliwerk regelrecht platt gemacht. Der Kampf der Kalikumpel, trotz Hungerstreik und päpstlicher Unterstützung, scheiterte. Bis auf Abfindungen und ein paar Übergangsmaßnahmen blieb nichts.

 

 

Aus dem Arbeitskampf entstand Widerstandsgeist

 

Politiker wie Gregor Gysi, Bodo Ramelow oder der damalige stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und spätere Bundestagsabgeordnete Gerhard Jüttemann kamen am 29. Juni in Bischofferode zusammen, um der Premiere einer 90-minütigen MDR-Dokumentation beizuwohnen (Ausstrahlung am 5.7., 20:15 Uhr sowie in der Mediathek). Der Film „Bischofferode: Das Treuhand-Trauma“ zeichnet die Ereignisse des Jahres 1993 nach. Er verbindet die Dramen von Hungerstreik, Wut, Verhandlungen und Demonstrationen mit einem Panorama der Nachwendezeit und rekonstruiert den Mega-Deal. 
„Gysi war damals als allererster vor Ort, hat zugehört und auch immer viel Zeit mitgebracht“,  erinnerte sich Gerhard Jüttemann an den legendären Arbeitskampf vor 25 Jahren. Mag der Kampf der Kumpel auch verloren worden sein, nach Meinung von Ministerpräsident Bodo Ramelow hat der Hungerstreik  Auswirkungen bis in die Gegenwart. „Aus diesem Arbeitskampf entstand ein Widerstandsgeist, der noch heute zu spüren ist.“ Er schwinge mit, wenn es heute um den Erhalt von Arbeitsplätzen beispielsweise bei Siemens in Sachsen oder bei Opel in Eisenach gehe.

 

Damals K+S , heute Opel 


Die Formel „Bischofferode ist überall“, bringt es heute noch in der Region auf den Punkt. Gemeint ist damit auch das gnadenlose Entscheiden von gesichtslosen Großkonzernen über jede menschliche Vernunft hinweg. Damals war es Bischofferode, später Nokia und heute sind es Opel oder Siemens – sie alle eint die hässliche Fratze des Kapitalismus.

 

th

Quelle: http://www.thueringenlinks.de/nc/thueringen_links_aktuelles/detail/artikel/widerstandsgeist-der-noch-heute-zu-spueren-ist/