3. Juli 2018

Dauerkrise in der Pflege

Foto: DIE LINKE. NRW

Das Gesundheitswesen und vor allem die Pflege befinden sich in einer Dauerkrise. Die Beschäftigten und auch die Patienten können sich schon gar nicht mehr erinnern, dass es jemals anders war. Anders als beim Thema Migration findet aber kaum ein  öffentlicher Diskurs statt und wenn, dann geht es fast nur ums Geld.  Dabei sind es keineswegs zu niedrige Gehälter, die für den Fachkräftemangel sorgen und die Träger wie die Volkssolidarität dazu zwingen, mit schildbürgerhaftem bürokratischem Aufwand und hohen Kosten im Ausland nach Personal zu suchen.

 
„Am Zustand der Pflege zeigt sich, wie in dieser Gesellschaft mit Kranken, Alten und anderen pflegebedürftigen Menschen umgegangen wird und welchen 'Wert' die Menschen haben, die sich um sie kümmern. Die geplanten Maßnahmen von Bundesgesundheitsminister Spahn sind nicht einmal der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Um den lebensbedrohlichen Pflegenotstand zu stoppen, braucht es zusätzlich 100.000 Krankenpflegerinnen und -pfleger. Die Leidtragenden sind die Patientinnen und Patienten und das Pflegepersonal“, kommentierte der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger. DIE LINKE hatte bereits im Mai ihre große Kampagne gegen den Pflegenotstand gestartet.  

Wütende, engagierte Pflegekräfte aus dem ganzen Land haben am 20. Juni in Düsseldorf für mehr Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen, für höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Anlass war die Gesundheitsministerkonferenz, an der auch Pharma-Lobbyminister Jens Spahn teilnahm. 


Wie lebensbedrohlich die Zustände sein können zeigen  Todesfälle in einer Düsseldorfer Klinik.  Personalmangel und schlechte Hygiene führten an deutschen Kliniken nicht zum ersten Mal zu multiresistenten Keimen. 


Und wer im Thüringer Wald auf Pflege angewiesen ist, muss damit rechnen, dass ihm die Träger sagen, dass sie kein Personal haben oder es sich nicht rechnet, für das Setzen einer Spritze nach Allersdorf zu fahren. Es sei denn, die Betroffenen sind privat versichert – dann geht alles. Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt keineswegs alle Kosten und so kann es passieren, dass die schwerkranke Oma deswegen ihr Häuschen verkaufen muss. DIE LINKE schlägt deshalb die Einführung einer Pflegevollversicherung vor, die alle Kosten übernimmt. Würden im Rahmen einer solidarischen Bürgerversicherung, ohne Beitragsbemessungsgrenze,  alle einzahlen, wäre das auch locker finanzierbar. 


Der Fachkräftemangel lässt sich kurzfristig nur mit Personal aus dem Ausland lösen. Mittelfristig muss aber das Image des Berufes verbessert werden. Marlen Klette, Bereichsleiterin Pflege bei der Volkssolidarität, schlägt dazu ein Wahlpflichtfach Pflege an Schulen vor. Mehr im Interview.  

Quelle: http://www.thueringenlinks.de/nc/thueringen_links_aktuelles/detail/artikel/-e5356a9d88/